Bundeskongress 2026
Programm: Donnerstag, 18.06.2026
9.00 Uhr
Geistlicher Impuls
mit:
Pfarrer Olaf Schaper, Leitender Notfallseelsorger, Düsseldorf
9.30–11.00 Uhr
Vorlesung a
Wie funktioniert gute Teamleitung in der PSNV?
Referierende:
Pastoralreferent Peter Bromkamp, Koordinator der katholischen Notfallseelsorge im Bistum Münster
9.30–11.00 Uhr
Vorlesung
Das Traumazentrum des BBK
Referierende:
Claudia Schedlich
9.30–11.00 Uhr
Vorlesung
Evaluation der Psychosozialen Akuthilfe aus der Perspektive Betroffener
Von der alltagsnahen PSAH zur PSNV in komplexen Lagen: Aktuelle Forschungsergebnisse und Erfahrungen aus der Praxis
Einsatzkräften in der Psychosozialen Akuthilfe bleibt nach Einsätzen in erster Linie das eigene Empfinden dazu, wie gelungen eine Betreuung verlaufen ist; Rückmeldungen Betroffener sind selten und systematische Befragungen insbesondere zu alltagsnahen Einsätzen gibt es bislang kaum. Aber was sagen Betroffene Wochen und Monate später darüber, wie sie die Betreuung durch die PSAH erlebt haben und wie es ihnen inzwischen geht? In einem Forschungsprojekt der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem KIT-München wurde diesen und weiteren Fragen nachgegangen. Im ersten Teil des Beitrags werden zentrale Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt, die so seltene wie wertvolle Einblicke in die Erlebenswelt Betroffener gewähren und manch überraschende Erkenntnis ebenso bereithalten wie bewegende Rückmeldungen.
In Teil 2 des Beitrags wird der Blick über alltagsnahe Lagen hinaus in Richtung komplexe Lagen geöffnet. Mit Fokus auf besondere Zielgruppen (insbesondere Kinder und Jugendliche) orientiert sich der Beitrag dabei am Beispiel des Anschlags München Stiglmaierplatz 2025. Im Februar des vergangenen Jahres war dort ein Fahrzeug in einen Demonstrationszug gesteuert worden. Welche Erfahrungen und Herausforderungen zeigen sich mit Blick auf das Vorgehen der gesamten PSNV? Welche konkreten Strategien haben sich bewährt und welche konkreten Empfehlungen zur Begleitung (nicht nur) von Kindern nach großen und komplexen Schadenslagen lassen sich ableiten? Wie spricht man mit Kindern über solche Ereignisse und welche typischen Risiken in der Akutbetreuung zeigen sich? Der Beitrag will konkrete Anregungen auch über die ersten Stunden hinaus vorstellen.
Referierende:
Simon Finkeldei ist Diplom Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut (VT), Lehrtherapeut, Supervisor. Nach seiner Tätigkeit im Rettungsdienst studierte Herr Finkeldei Psychologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seit 1999 ist er im Bereich Psychosoziale Notfallversorgung aktiv. 2007 war er am von Tita Kern entwickelten Konzept APSN und dessen Umsetzung im Pilotprojekt „KIDS – Kinder nach belastenden Ereignissen stützen“ beteiligt. Herr Finkeldei ist Psychotherapeutischer Leiter der KinderKrisenIntervention der AETAS Kinderstiftung (www.aetas-kinderstiftung.de) und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Trauma Hilfe Zentrums München e.V.. Als Dozent lehrt er zu den Schwerpunktthemen Krisenintervention/Notfallpsychologie, Suizidprävention, Traumatherapie.
Sebastian Hoppe ist Psychologe und bei der AETAS Kinderstiftung in München tätig. Seit Jahren forscht er zur Frage der Wirksamkeit von Krisenintervention und lehrt zu verschiedenen Themen der Psychosozialen Akuthilfe. Ehrenamtlich engagiert er sich im Münchner Kriseninterventionsteam KIT-München, das er zuvor fachlich leitete. So vereint er Erfahrungen aus Einsatzpraxis, Leitung, Forschung und Lehre in der Krisenintervention.
9.30–11.00 Uhr
Vorlesung b + C
9.30–10.15 Uhr
Vorlesung b
Ethische Fundierungen kirchlichen Handels in militärisch indizierten Lagen
Kurze Einführung in die Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – gerechter Friede im Blick“ und die spezifische Praxis der Seelsorge
Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde ein Rahmenkonzept zur Seelsorge und Akutintervention im Spannungs‑, Bündnis und Verteidigungsfall entworfen. Was kann die Aufgabe von Kirchen in solchen Szenarien sein?
Nach einer Einführung in das Konzept werden zivile und staatliche Träger von Katastrophen- und Zivilschutz auf das Papier reagieren und ihre eigenen Vorbereitungen zur Sprache bringen. Abschließend erfolgt eine kirchliche Einordnung des Konzepts und es werden Fragen der Umsetzung erörtert.
10.15–11.00 Uhr
Vorlesung c
Kirchliche Einordnung und Umsetzung!
Referierende (Vorlesung B):
Militärdekan Dr. Dirck Ackermann, Referatsleitung Referat II für Seelsorge und Theologische Grundsatzangelegenheiten, etc. der Bundeswehr
Referierende (Vorlesung C):
Oberkirchenrat Andreas Jensen, Referat Seelsorge, Gemeindeformen, Gottesdienst im Kirchenamt der EKD
Kirchenrat Dirk Wollenweber, Vorsitzender Konferenz Evangelische Notfallseelsorge
Stephan Koch, Vorsitzender Bundeskonferenz Katholische Notfallseelsorge
Barbara Sönksen, Bereich Pastoral, Deutsche Bischofskonferenz
Grit Burmeister-Brandt, freiberufliche Dozentin, Moderatorin und Beraterin
11.00 Uhr
Pause
11.30–13.00 Uhr
Vorlesung a
Wie funktioniert gute Teamleitung in der PSNV?
Erfahrungen aus Beratung und Supervision
(Rückblick auf Mittwoch)
Referierende:
Pastoralreferent Peter Bromkamp, Koordinator der katholischen Notfallseelsorge im Bistum Münster
11.30–13.00 Uhr
Vorlesung
Das Traumazentrum des BBK
Referierende:
Claudia Schedlich
11.30–13.00 Uhr
Vorlesung
Evaluation der Psychosozialen Akuthilfe aus der Perspektive Betroffener
Von der alltagsnahen PSAH zur PSNV in komplexen Lagen: Aktuelle Forschungsergebnisse und Erfahrungen aus der Praxis
Einsatzkräften in der Psychosozialen Akuthilfe bleibt nach Einsätzen in erster Linie das eigene Empfinden dazu, wie gelungen eine Betreuung verlaufen ist; Rückmeldungen Betroffener sind selten und systematische Befragungen insbesondere zu alltagsnahen Einsätzen gibt es bislang kaum. Aber was sagen Betroffene Wochen und Monate später darüber, wie sie die Betreuung durch die PSAH erlebt haben und wie es ihnen inzwischen geht? In einem Forschungsprojekt der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem KIT-München wurde diesen und weiteren Fragen nachgegangen. Im ersten Teil des Beitrags werden zentrale Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt, die so seltene wie wertvolle Einblicke in die Erlebenswelt Betroffener gewähren und manch überraschende Erkenntnis ebenso bereithalten wie bewegende Rückmeldungen.
In Teil 2 des Beitrags wird der Blick über alltagsnahe Lagen hinaus in Richtung komplexe Lagen geöffnet. Mit Fokus auf besondere Zielgruppen (insbesondere Kinder und Jugendliche) orientiert sich der Beitrag dabei am Beispiel des Anschlags München Stiglmaierplatz 2025. Im Februar des vergangenen Jahres war dort ein Fahrzeug in einen Demonstrationszug gesteuert worden. Welche Erfahrungen und Herausforderungen zeigen sich mit Blick auf das Vorgehen der gesamten PSNV? Welche konkreten Strategien haben sich bewährt und welche konkreten Empfehlungen zur Begleitung (nicht nur) von Kindern nach großen und komplexen Schadenslagen lassen sich ableiten? Wie spricht man mit Kindern über solche Ereignisse und welche typischen Risiken in der Akutbetreuung zeigen sich? Der Beitrag will konkrete Anregungen auch über die ersten Stunden hinaus vorstellen.
Referierende:
Simon Finkeldei ist Diplom Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut (VT), Lehrtherapeut, Supervisor. Nach seiner Tätigkeit im Rettungsdienst studierte Herr Finkeldei Psychologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seit 1999 ist er im Bereich Psychosoziale Notfallversorgung aktiv. 2007 war er am von Tita Kern entwickelten Konzept APSN und dessen Umsetzung im Pilotprojekt „KIDS – Kinder nach belastenden Ereignissen stützen“ beteiligt. Herr Finkeldei ist Psychotherapeutischer Leiter der KinderKrisenIntervention der AETAS Kinderstiftung (www.aetas-kinderstiftung.de) und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Trauma Hilfe Zentrums München e.V.. Als Dozent lehrt er zu den Schwerpunktthemen Krisenintervention/Notfallpsychologie, Suizidprävention, Traumatherapie.
Sebastian Hoppe ist Psychologe und bei der AETAS Kinderstiftung in München tätig. Seit Jahren forscht er zur Frage der Wirksamkeit von Krisenintervention und lehrt zu verschiedenen Themen der Psychosozialen Akuthilfe. Ehrenamtlich engagiert er sich im Münchner Kriseninterventionsteam KIT-München, das er zuvor fachlich leitete. So vereint er Erfahrungen aus Einsatzpraxis, Leitung, Forschung und Lehre in der Krisenintervention.
11.30–13.00 Uhr
Vorlesung b + C
11.30–12.15 Uhr
Vorlesung b
Ethische Fundierungen kirchlichen Handels in militärisch indizierten Lagen
Kurze Einführung in die Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – gerechter Friede im Blick“ und die spezifische Praxis der Seelsorge
Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde ein Rahmenkonzept zur Seelsorge und Akutintervention im Spannungs‑, Bündnis und Verteidigungsfall entworfen. Was kann die Aufgabe von Kirchen in solchen Szenarien sein?
Nach einer Einführung in das Konzept werden zivile und staatliche Träger von Katastrophen- und Zivilschutz auf das Papier reagieren und ihre eigenen Vorbereitungen zur Sprache bringen. Abschließend erfolgt eine kirchliche Einordnung des Konzepts und es werden Fragen der Umsetzung erörtert.
12.15–13.00 Uhr
Vorlesung c
Kirchliche Einordnung und Umsetzung!
Referierende (Vorlesung B):
Militärdekan Dr. Dirck Ackermann, Referatsleitung Referat II für Seelsorge und Theologische Grundsatzangelegenheiten, etc. der Bundeswehr
Referierende (Vorlesung C):
Oberkirchenrat Andreas Jensen, Referat Seelsorge, Gemeindeformen, Gottesdienst im Kirchenamt der EKD
Kirchenrat Dirk Wollenweber, Vorsitzender Konferenz Evangelische Notfallseelsorge
Stephan Koch, Vorsitzender Bundeskonferenz Katholische Notfallseelsorge
Barbara Sönksen, Bereich Pastoral, Deutsche Bischofskonferenz
Grit Burmeister-Brandt, freiberufliche Dozentin, Moderatorin und Beraterin
13.00–14.00 Uhr
Mittagspause
14.30–16.00 Uhr
Tutorium
Ethische Fundierungen kirchlichen Handels in militärisch indizierten Lagen
Kurze Einführung in die Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – gerechter Friede im Blick“ und die spezifische Praxis der Seelsorge
Tutorium zu den Vorträgen am Vormittag
Das Ökumenische Rahmenkonzept zur Seelsorge und Akutintervention im Spannungs‑, Bündnis- und Verteidigungsfall bedarf der ethischen Reflexion. Wie steht dieses Konzept im Verhältnis zu den friedensethischen Grundlagen beider Kirchen? Das Rahmenkonzept hebt hervor: Die Kirchen wollen keinen Beitrag zur Gesamtverteidigung Deutschland leisten. Aber wie ist der Beitrag dann zu verstehen? Zur Reflexion der Fragen soll eine Einführung in die jüngst erschienene Denkschrift der EKD „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ gegeben werden und die dort enthaltenen spezifischen Aussagen zum seelsorglichen Handeln der Kirche herausgearbeitet werden.
Referierende:
Mark Overhagen, Referent im Referat „Psychosoziales Krisenmanagement“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
Oberkirchenrat Andreas Jensen, Referat Seelsorge, Gemeindeformen, Gottesdienst im Kirchenamt der EKD
Militärdekan Dr. Dirck Ackermann, Referatsleitung Referat II für Seelsorge und Theologische Grundsatzangelegenheiten, etc. der Bundeswehr
14.30–16.00 Uhr
Vorlesung/Lecture
Förderung von Resilienz in der Israelischen Gesellschaft (Natal)
Zwei Vertreter von NATAL, einer zivilgesellschaftlichen Organisation aus Israel, werden uns von ihren Erfahrungen, Ansätzen und Methoden berichten, wie die Resilienz einer Bevölkerung gestärkt werden kann. Natal wurde 1998 gegründet, ist auch direkt für Betroffene erreichbar, sei es über eine Hotline, verschiedene Teams wie Community Resiliency und Clinical Units, auf Ebene der Individuen und Familien, der Gemeinden und der Gesellschaft. Bisher gab es über 500.000 Kontakte mit Betroffenen. Sie arbeiten auch in der Forschung. Sie arbeiten mit einem einzigartigen Modell multidiziplinärer psychologischer Unterstützung, direkt und indirekt, sowohl im Bereich der Prävention, der Bewusstseinsbildung als auch der Intervention und Behandlung. Der englische Vortrag wird simultan übersetzt.
Der workshop von NATAL dient der vertieften Diskussion und dem Erfahrungsaustausch. Er wird die sehr unterschiedlichen historischen und Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens in den Blick nehmen und überprüfen, welche der Erfahrungen vergleichbar und ob Ansätze von Natal in deutsche Kontexte übertragbar sind. Der Workshop wird auf Englisch stattfinden; wir helfen uns gegenseitig beim Übersetzen.
Referierende:
Ms. Peleg is an Architect, Managing Director of Peleg Exhibition Organizer Ltd, and founder of “Chaos,” an interdisciplinary artistic approach to art and resilience. Ms. Peleg was the Director of Strategic Partnerships at NATAL Global, the international arm of NATAL, from 2018 to 2021. Today she serves as a specialist consultant at NATAL, supporting the organization in bringing decades of its expertise to European countries.
Daniel Goldstein is a Social worker and trauma specialist who brings both professional expertise and lived experience to his work with post-traumatic challenges. As a group facilitator, reserve officer, and Director of Community Programs at NATAL – Israel Trauma and Resiliency Center, Daniel has dedicated the past five years to developing innovative community-based interventions focused on post-traumatic growth and peer support for soldiers and veterans affected by service-related mental health challenges. Over the past 18 months, he has spearheaded collaborative initiatives with municipalities, universities, and communities to create specialized support programs for reservists transitioning back to civilian life.
14.30–16.00 Uhr
Seminar
Ergebnisse der Seelsorge Visitation in der EKM, zugespitzt auf Nfs und das Verhältnis von Haupt- und Ehrenamtlichen
Warum engagieren sich Menschen in der Notfallseelsorge – und wie wird aus persönlicher Motivation ein tragfähiges Sorgenetzwerk? Der Workshop verbindet empirische Einblicke in die Motivlagen Ehrenamtlicher mit der Frage, wie Haupt- und Ehrenamtliche ihre Ressourcen bündeln und Zusammenarbeit gestalten können. Im Fokus stehen Rollenklärung, strukturelle Stärkung und gelingende Kooperation in Krisensituationen. Neben fachlichen Impulsen bietet der Workshop Raum zur Reflexion der eigenen Motivation und zur Weiterentwicklung eines verlässlichen, gemeinsamen Engagements.
Referierende:
Dr. theol. Annette Haußmann ist Professorin für Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Seelsorgetheorie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Sie leitet das Zentrum für Seelsorge der Evangelischen Landeskirche in Baden und bildet Vikar:innen am Predigerseminar aus. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der empirischen Erforschung ehrenamtlicher Seelsorge, in Konzepten sorgender Gemeinschaften (caring communities), Formen digitaler Seelsorge und Spiritual Care sowie im Zusammenhang von Religion und Gesundheit. Sie verbindet pastoraltheologische Grundfragen mit professions- und praxisbezogenen Perspektiven kirchlicher Seelsorge.
14.30–16.00 Uhr
Seminar
Betroffene sagen selbst, was ihnen gut tat
German Wings Hinterbliebenen-Gruppe
Einführungstext von Beate Maue
Mein Name ist BeAte Maue, ich bin 63 Jahre alt und komme aus Mülheim an der Ruhr.
Ich bin Trauerrednerin und Trauerbegleiterin seit 2019, dieser Beruf hat mich gefunden, ich habe ihn nicht gesucht.
Der Tod war immer Thema in meinem Leben.
Und den meisten Austausch darüber hatte ich bis zum März 2015 mit meiner Schwester Claudia, die 21 Monate jünger ist als ich.
Als wir 9 und 7 Jahre alt waren, hat ein betrunkener Autofahrer unsere 2 Jahre ältere Cousine tot gefahren, 3 Jahre darauf verstarb ihre Mutter, unsere Tante an Krebs … heute denke ich … viel mehr an gebrochenem Herzen.
Als wir 19 und 17 Jahre alt waren, verstarb unser Opa, als wir 34 und 32 Jahre alt waren, erkrankte unser Vater an einem Gehirntumor, der ihn nach 2 intensiven Jahren das Leben kostete.
Das war der Zeitpunkt, als meiner Schwester und mir klar wurde, dass wir dem Tod einen anderen Platz, viel mehr Raum und Gewicht in unseren Leben einräumen wollen und müssen.
Die Zeit des Abschiedes unseres Vaters auf Raten, so würde ich das heute mal benennen war schrecklich, aber auch bereichernd und schön … so komisch sich das anhört.
Das Erkennen …. der Tod gehört zum Leben dazu und das müssen wir akzeptieren, ganz deutlich und präsent.
In all den Todesfällen unserer Kindheit hatte die Trauer keinen Raum, das Leben musste weiter gehen, heulen hilft da nicht war die Maxime unserer Familie. Es gab keine Möglichkeit, eigenen Trauerbedürfnissen nachzuspüren. Verdrängung war das, was gelebt wurde.
Als unser Vater am 23. März 1999 diese irdische Welt verliess, wuschen wir Schwestern ihn in der Nacht noch, kleideten ihn an, zelebrierten wir einen eigenen Abschied, ohne dass wir vorher darüber gesprochen hatten oder das annähernd klar war.
Es war plötzlich da – das Bedürfnis dem Sterbeprozess den Raum zu geben, den es braucht um einen guten Abschied zu haben.
Es war die intensivste gemeinsame Nacht unseres Lebens und von da an, änderte sich auch etwas. Bei der Begegnung mit dem Tod nicht mehr weg zu sehen, war unser gemeinsames Thema.
Viele Menschen verliessen uns auch in den Jahren danach, wir waren einander immer Stütze und nur miteinander liess sich das aushalten. Wir hatten eine andere Einstellung zum Tod gefunden, er bekam den Raum im Leben, den er sich sowieso holt. Aber zusammen ging es.
Am 24. März 2015 um 10.41 Uhr stürzte in den Französischen Alpen ein Flugzeug der Germanwings Airline, auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf ab.
An Bord waren 150 Menschen, Pilot, Copilot, Kabinenpersonal und 144 Passagiere.
Unter den Passagieren, meine Schwester Claudia und mein Schwager Jürgen Diemer.
Von da an begann mein Leben 2.0.
Es war ein schwerer Weg, mit unendlichen Unwägbarkeiten, Emotionen, Trauer, auch wesentlich geprägt von äußeren Einflüssen.
Nach schlimmen 48 Stunden erhielten wir die Nachricht über die Ursache des Absturzes.
Nach damaligen Erkenntnissen war es ein erweiterter Suicid des Copiloten, welcher unter Depressionen litt.
Im Rahmen der Bekanntmachung mit den anderen Angehörigen aus aller Welt erfuhr ich die ganze Vielfalt von Trauer, unfreiwillig erlebte ich die unendliche Unterschiedlichkeit und SO viele Emotionen.
Referierende:
Beate Maue, geboren 1963, war fast 40 Jahre Medizinische Fachangestellte in Arztpraxen und nach einem Studium des Case Management Teamleitung an einer Poliklinik eines Universitätsklinikum. Beim Absturz eines German Wings Flugzeuges in den Französischen Alpen starben ihre Schwester und ihr Schwager. Seit 2019 ist sie Trauerrednerin, ab 2020 bis zu ihrer Verrentung selbständig.
14.30–16.00 Uhr
Seminar
Notfallseelsorge mit Maß und Mitte – eine Einladung zum Moratorium
Notfallseelsorge ist aus der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr kaum mehr wegzudenken. Sie ist gewachsen, professionalisiert, anerkannt – gerade deswegen steht sie inzwischen auch unter einem permanenten Erwartungs- und Optimierungsdruck. In Zeiten von Dauerkrisen, komplexen Einsatzlagen und Alltagsüberforderung stellt sich die Frage: Was kann, soll und darf Notfallseelsorge leisten – und wo braucht sie bewusste Grenzen?
Der Vortrag lädt ein innezuhalten. Er setzt sich kritisch mit der paternalistischen Logik des „Immer-mehr-zuständig-und-abgesichert-Seins“ auseinander. Statt „automatisierter“ Ausweitung plädiert er für ein Moratorium zur Bestimmung von Maß und Mitte. Um selbst und systemisch resilient zu bleiben, ist es erforderlich, Notfallseelsorge auf ihren Kern zu prüfen und ggf. neu zu justieren. Dazu werden poimenische und kirchentheoretische Impulse gegeben.
Es folgen Gesprächsrunden, die Möglichkeit zu Diskussion und Erfahrungsaustausch eröffnen.
Referierende:
Till Martin Wisseler, geboren 1971 in Rheinland-Pfalz, aufgewachsen in Nordhessen. Im Anschluss an seinen Zivildienst war er mehrere Jahre als Rettungsassistent in Marburg tätig. Seit 2005 ist er Pfarrer in Langenselbold bei Hanau und versieht seitdem regelmäßig Bereitschaftsdienste in der Notfallseelsorge – und war auch am 19. Februar 2020 in Hanau im Einsatz. Seit Ende 2020 ist er Polizeiseelsorger im Bereich der PD Main-Kinzig und DVS Past. Südosthessen und Beauftragter für Notfallseelsorge im Main-Kinzig-Kreis und Hanau; in dieser Funktion qualifiziert er auch Ehrenamtliche (Bereich PSNV‑B) nach den PSAH-Standards.
14.30–16.00 Uhr
Seminar
Das versteht er doch gar nicht – tut er doch.
Krisenintervention mit Kindern nach Suizid/-versuch einer Bezugsperson
2023 verstarben mit 10.300 Todesfällen mehr als 28 Menschen pro Tag durch Suizid (D). Die Anzahl der Suizidversuche übersteigt nach Schätzungen der Deutschen Depressionshilfe diese Zahl noch um den Faktor 15–20. Forschung belegt bspw. nach Suizid eines Elternteils ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit betroffener Kinder, selbst später einen Suizid oder Suizidversuch zu begehen.
Der Kurzbeitrag will praktische Unterstützungsmöglichkeiten für „kleine und große“ Betroffene im Kontext dieser häufigen Einsatzsituation aufzeigen. Neben Ergebnissen des aktuellen Forschungsprojekts „Kurswechsel“ (gefördert vom Bayr. Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales) sollen konkrete Empfehlungen für den Akuteinsatz vorgestellt werden: Welche Interventionen eignen sich für das erste Zeitfenster? Was berichten befragte Betroffene über hilfreiche und wenig hilfreiche Interventionen durch Einsatzkräfte der Psychosozialen Akuthilfe? Was bedeutet das für Praxis und Ausbildung?
Referierende:
Simon Finkeldei, Diplom Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut (VT), Lehrtherapeut, Supervisor. Nach seiner Tätigkeit im Rettungsdienst studierte Herr Finkeldei Psychologie an der Julius Maximilians Universität Würzburg. Seit 1999 ist er im Bereich Psychosoziale Notfallversorgung aktiv. 2007 war er am von Tita Kern entwickelten Konzept APSN und dessen Umsetzung im Pilotprojekt „KIDS – Kinder nach belastenden Ereignissen stützen“ beteiligt. Herr Finkeldei ist Psychotherapeutischer Leiter der KinderKrisenIntervention der AETAS Kinderstiftung (www.aetas-kinderstiftung.de) und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Trauma Hilfe Zentrums München e.V.. Als Dozent lehrt er zu den Schwerpunktthemen Krisenintervention/Notfallpsychologie, Suizidprävention, Traumatherapie.
Sebastian Hoppe ist Psychologe und bei der AETAS Kinderstiftung in München tätig. Seit Jahren forscht er zur Frage der Wirksamkeit von Krisenintervention und lehrt zu verschiedenen Themen der Psychosozialen Akuthilfe. Ehrenamtlich engagiert er sich im Münchner Kriseninterventionsteam KIT-München, das er zuvor fachlich leitete. So vereint er Erfahrungen aus Einsatzpraxis, Leitung, Forschung und Lehre in der Krisenintervention.
14.30–16.00 Uhr
Seminar
Zusammenspiel der Einsatzkräfte nach einem Einsatz in Jena
Verschiedene Zugänge der PSNV
Ein Polizist erschießt zuerst seine beiden Kinder und seine Frau, danach sich selbst … Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über die Geschehnisse und erfahren, was sich in Klettbach / Thüringen ereignete.
Im Einführungsvortrag wird erläutert, wie PSNV alarmiert wurde und wie der Einsatz begann. Außerdem erhalten die Teilnehmenden Informationen über die strukturellen Besonderheiten und über die entstandenen Schwierigkeiten vor Ort. Sie erfahren die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Helfenden und Institutionen.
Innerhalb des dazugehörigen Workshops können die Teilnehmenden gemeinsam einen Lageplan entwerfen und erarbeiten, wie dieser Einsatz für die PSNV abgelaufen sein könnte. Zudem soll ein Netzwerk entwickelt werden, welches die Teilnehmenden in ihre Teams übertragen können.
Als Abschluss werden die erarbeiteten Einsatzpläne in einer Einsatznachbesprechung erörtert, um die Erkenntnisse in die zukünftige Arbeit der PSNV-Teams einfließen zu lassen.
Ziel ist es, eine größere Lage wertfrei aufzuarbeiten und somit Handlungssicherheit für Einsätze in größeren Lagen zu erreichen.
Referierende:
Ulrich Matthias Spengler wurde 1965 in Halle/Saale geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach Schule und Lehre arbeitete er 9 Jahre als Schlosser, machte Abendschulabitur und wurde Schlossermeister. Bevor er Theologie studierte, arbeitete er ein Jahr im OP eines Krankenhauses. Im Anschluss an Studium und Vikariat, war er 20 Jahre als Gemeindepfarrer tätig, bis er in eine Projektpfarrstelle zur Evaluierung des berufsethischen Unterrichts für die Thüringer Polizei berufen wurde.
Seit 2023 ist er Landespfarrer für Polizei- und Notfallseelsorge der EKM im Freistaat Thüringen. Er ist langjähriger Notfallseelsorger und leitete von 2013 bis 2025 ein NFS-Team. Seit 2018 ist er Polizeiseelsorger und Psychosoziale Fachkraft im Kriseninterventionsteam der Thüringer Polizei. Außerdem unterrichtet polizeiliche Berufsethik und ist Dozent für PSNV‑B und ‑E-Kräfte.
Mandy Petri, 49 Jahre, verheiratet, 1 erw. Kind. Dipl. Päd. (Uni): Sozial‑, Jugend- und Erwachsenenweiterbildungspädagogik. Sozialarbeiterin im Bereich Eingliederungshilfe im LRA Weimarer Land, Projektarbeit – ALEKS; Notfallbegleiterin für Betroffene und Einsatzkräfte; Psychosoziale Fachkraft und Teamleiterin Notfallbegleitung Weimarer Land; Dozentin für die Ausbildung PSAH für Betroffene in Erfurt
14.30–16.00 Uhr
Seminar
Entwicklung Netzwerkorientierter Qualität im Psychosozialen Krisenmanagement Staatlicher Verwaltung („EQuiP“)
Projektleitung; Salomon-Hochschule Berlin: https://www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte-a‑z/equip/
Im BMFTR-Forschungsprojekt EQuiP wird der Versuch unternommen, das Psychosoziale Krisenmanagement (PsychKM) unter der Perspektive des theoretischen Konzepts von Community Resilience weiterzuentwickeln. Ziel ist es Handlungslogiken und Formen der Zusammenarbeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure im Sinne dieses Konzeptes nachhaltig zu verbessern. Dies hat auch Auswirkungen auf den Prozess der Weiterentwicklung der PSNV.
Im Workshop wird das Forschungsprojekt und seine bisherigen Ergebnisse vorgestellt und mit den Teilnehmenden die Fragestellung der Weiterentwicklung der PSNV diskutiert.
Referierende:
Prof. Dr. Olaf Neumann ist Professor für methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Er ist Dipl. Sozialarbeiter, Theaterpädagoge, approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Gemeindepsychologe (community psychologist). Gemeinsam mit Vincenz Leuschner forscht er seit einigen Jahren in der PSNV. Im Projekt EQuiP trägt er die Verantwortung für eine zu entwickelnde Blended Learning Fortbildung für Mitarbeitende aus kommunalen Krisenstäben / anlassbezogenen Koordinierungsstellen. Er ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für gemeindepsychologische Forschung und Praxis (GGFP).
Prof. Dr. Vincenz Leuschner ist Professor für Kriminologie und Soziologie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht. Er ist Dipl. Sozialwissenschaftler und Dipl. Sozialarbeiter und promovierter Soziologe. Gemeinsam mit Olaf Neumann forscht er seit einigen Jahren zum Bereich des Psychosozialen Krisenmanagements (IFAF-Projekte PSNV-NET und PSNV-NET Plus). Daneben liegen die Schwerpunkte seiner Arbeit in der Forschung zu Formen schwerer Gewalt (Amok, Terrorismus), Jugendkriminalität, Kriminalprävention und der empirischen Polizeiforschung. Im Projekt EQuiP hat er die Gesamtprojektverantwortung inne.
Peter Waterstraat ist Diplom Sozialarbeiter und Master of Disaster Management and Risk Governance. Ausgebildet in Notfallseelsorge und Einsatznachsorge ist er Leiter der Koordinierungsstelle Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) im Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main. In dieser Funktion ist er auch Fachberater-PSNV im städtischen Krisenstab und beteiligt an der PSNV-Führungskräfteausbildung im Land Hessen. Seit 2016 ist Peter Waterstraat, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft PSNV der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM).
14.30–16.00 Uhr
Seminar
Die PSNV im hessischen Katastrophenschutz
Neue Strukturen und Vorgehensweisen
Die PSNV wird integrativer Bestandteil des Katastrophenschutzes in Hessen. Dazu werden landesweit einheitliche Standards geschaffen, die künftig die strukturelle Einbindung von PSNV-Einheiten, deren Ausbildung und Ausstattung, die Profile operativer Führungskräfte sowie Schnittstellen zur mittel- und langfristigen psychosozialen Versorgung definieren.
Flankiert werden diese Regelungen von neu entwickelten operativ-taktischen Konzepten, die die konkrete Umsetzung von PSNV‑B bei Großschadenslagen und Katastrophen in den Blick nehmen. Diese reichen vom Algorithmus für die Lagefeststellung PSNV (schnelle und standardisierte Erfassung u.a. von Betroffenen-Teilgruppen und deren psychischen Zuständen) bis zur Festlegung eines einheitlichen Sets spezieller Einsatzmaßnahmen für die Versorgung großer Betroffenenzahlen.
Dieser Workshop stellt die neuen Konzepte des Landes Hessen zur Diskussion und lädt zum Austausch ein sowie zum Ausprobieren neuer Führungsmittel für die PSNV im Katastrophenschutz.
Referierende:
Dr. Robert Steinhauser, Leiter der Landeszentralstelle Psychosoziale Notfallversorgung im Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz. Promovierter Psychologe mit Weiterbildung zum Notfallpsychologen (BDP) und beruflichen Stationen in kognitiver Neurowissenschaft und Psychiatrie. Daneben ehrenamtliche Einsatz- und operative Führungskraft in der PSNV der Landeshauptstadt Wiesbaden.
16.00 Uhr
Pause
16.30–18.00 Uhr
Seminar
Ergebnisse der Seelsorge Visitation in der EKM, zugespitzt auf Nfs und das Verhältnis von Haupt- und Ehrenamtlichen
Warum engagieren sich Menschen in der Notfallseelsorge – und wie wird aus persönlicher Motivation ein tragfähiges Sorgenetzwerk? Der Workshop verbindet empirische Einblicke in die Motivlagen Ehrenamtlicher mit der Frage, wie Haupt- und Ehrenamtliche ihre Ressourcen bündeln und Zusammenarbeit gestalten können. Im Fokus stehen Rollenklärung, strukturelle Stärkung und gelingende Kooperation in Krisensituationen. Neben fachlichen Impulsen bietet der Workshop Raum zur Reflexion der eigenen Motivation und zur Weiterentwicklung eines verlässlichen, gemeinsamen Engagements.
Referierende:
Dr. theol. Annette Haußmann ist Professorin für Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Seelsorgetheorie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Sie leitet das Zentrum für Seelsorge der Evangelischen Landeskirche in Baden und bildet Vikar:innen am Predigerseminar aus. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der empirischen Erforschung ehrenamtlicher Seelsorge, in Konzepten sorgender Gemeinschaften (caring communities), Formen digitaler Seelsorge und Spiritual Care sowie im Zusammenhang von Religion und Gesundheit. Sie verbindet pastoraltheologische Grundfragen mit professions- und praxisbezogenen Perspektiven kirchlicher Seelsorge.
16.30–18.00 Uhr
Seminar
Betroffene sagen selbst, was ihnen gut tat
German Wings Hinterbliebenen-Gruppe
Einführungstext von Beate Maue
Mein Name ist BeAte Maue, ich bin 63 Jahre alt und komme aus Mülheim an der Ruhr.
Ich bin Trauerrednerin und Trauerbegleiterin seit 2019, dieser Beruf hat mich gefunden, ich habe ihn nicht gesucht.
Der Tod war immer Thema in meinem Leben.
Und den meisten Austausch darüber hatte ich bis zum März 2015 mit meiner Schwester Claudia, die 21 Monate jünger ist als ich.
Als wir 9 und 7 Jahre alt waren, hat ein betrunkener Autofahrer unsere 2 Jahre ältere Cousine tot gefahren, 3 Jahre darauf verstarb ihre Mutter, unsere Tante an Krebs … heute denke ich … viel mehr an gebrochenem Herzen.
Als wir 19 und 17 Jahre alt waren, verstarb unser Opa, als wir 34 und 32 Jahre alt waren, erkrankte unser Vater an einem Gehirntumor, der ihn nach 2 intensiven Jahren das Leben kostete.
Das war der Zeitpunkt, als meiner Schwester und mir klar wurde, dass wir dem Tod einen anderen Platz, viel mehr Raum und Gewicht in unseren Leben einräumen wollen und müssen.
Die Zeit des Abschiedes unseres Vaters auf Raten, so würde ich das heute mal benennen war schrecklich, aber auch bereichernd und schön … so komisch sich das anhört.
Das Erkennen …. der Tod gehört zum Leben dazu und das müssen wir akzeptieren, ganz deutlich und präsent.
In all den Todesfällen unserer Kindheit hatte die Trauer keinen Raum, das Leben musste weiter gehen, heulen hilft da nicht war die Maxime unserer Familie. Es gab keine Möglichkeit, eigenen Trauerbedürfnissen nachzuspüren. Verdrängung war das, was gelebt wurde.
Als unser Vater am 23. März 1999 diese irdische Welt verliess, wuschen wir Schwestern ihn in der Nacht noch, kleideten ihn an, zelebrierten wir einen eigenen Abschied, ohne dass wir vorher darüber gesprochen hatten oder das annähernd klar war.
Es war plötzlich da – das Bedürfnis dem Sterbeprozess den Raum zu geben, den es braucht um einen guten Abschied zu haben.
Es war die intensivste gemeinsame Nacht unseres Lebens und von da an, änderte sich auch etwas. Bei der Begegnung mit dem Tod nicht mehr weg zu sehen, war unser gemeinsames Thema.
Viele Menschen verliessen uns auch in den Jahren danach, wir waren einander immer Stütze und nur miteinander liess sich das aushalten. Wir hatten eine andere Einstellung zum Tod gefunden, er bekam den Raum im Leben, den er sich sowieso holt. Aber zusammen ging es.
Am 24. März 2015 um 10.41 Uhr stürzte in den Französischen Alpen ein Flugzeug der Germanwings Airline, auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf ab.
An Bord waren 150 Menschen, Pilot, Copilot, Kabinenpersonal und 144 Passagiere.
Unter den Passagieren, meine Schwester Claudia und mein Schwager Jürgen Diemer.
Von da an begann mein Leben 2.0.
Es war ein schwerer Weg, mit unendlichen Unwägbarkeiten, Emotionen, Trauer, auch wesentlich geprägt von äußeren Einflüssen.
Nach schlimmen 48 Stunden erhielten wir die Nachricht über die Ursache des Absturzes.
Nach damaligen Erkenntnissen war es ein erweiterter Suicid des Copiloten, welcher unter Depressionen litt.
Im Rahmen der Bekanntmachung mit den anderen Angehörigen aus aller Welt erfuhr ich die ganze Vielfalt von Trauer, unfreiwillig erlebte ich die unendliche Unterschiedlichkeit und SO viele Emotionen.
Referierende:
Beate Maue, geboren 1963, war fast 40 Jahre Medizinische Fachangestellte in Arztpraxen und nach einem Studium des Case Management Teamleitung an einer Poliklinik eines Universitätsklinikum. Beim Absturz eines German Wings Flugzeuges in den Französischen Alpen starben ihre Schwester und ihr Schwager. Seit 2019 ist sie Trauerrednerin, ab 2020 bis zu ihrer Verrentung selbständig.
16.30–18.00 Uhr
Seminar
Notfallseelsorge mit Maß und Mitte – eine Einladung zum Moratorium
Notfallseelsorge ist aus der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr kaum mehr wegzudenken. Sie ist gewachsen, professionalisiert, anerkannt – gerade deswegen steht sie inzwischen auch unter einem permanenten Erwartungs- und Optimierungsdruck. In Zeiten von Dauerkrisen, komplexen Einsatzlagen und Alltagsüberforderung stellt sich die Frage: Was kann, soll und darf Notfallseelsorge leisten – und wo braucht sie bewusste Grenzen?
Der Vortrag lädt ein innezuhalten. Er setzt sich kritisch mit der paternalistischen Logik des „Immer-mehr-zuständig-und-abgesichert-Seins“ auseinander. Statt „automatisierter“ Ausweitung plädiert er für ein Moratorium zur Bestimmung von Maß und Mitte. Um selbst und systemisch resilient zu bleiben, ist es erforderlich, Notfallseelsorge auf ihren Kern zu prüfen und ggf. neu zu justieren. Dazu werden poimenische und kirchentheoretische Impulse gegeben.
Es folgen Gesprächsrunden, die Möglichkeit zu Diskussion und Erfahrungsaustausch eröffnen.
Referierende:
Till Martin Wisseler, geboren 1971 in Rheinland-Pfalz, aufgewachsen in Nordhessen. Im Anschluss an seinen Zivildienst war er mehrere Jahre als Rettungsassistent in Marburg tätig. Seit 2005 ist er Pfarrer in Langenselbold bei Hanau und versieht seitdem regelmäßig Bereitschaftsdienste in der Notfallseelsorge – und war auch am 19. Februar 2020 in Hanau im Einsatz. Seit Ende 2020 ist er Polizeiseelsorger im Bereich der PD Main-Kinzig und DVS Past. Südosthessen und Beauftragter für Notfallseelsorge im Main-Kinzig-Kreis und Hanau; in dieser Funktion qualifiziert er auch Ehrenamtliche (Bereich PSNV‑B) nach den PSAH-Standards.
16.30–18.00 Uhr
Seminar
Das versteht er doch gar nicht – tut er doch.
Krisenintervention mit Kindern nach Suizid/-versuch einer Bezugsperson
2023 verstarben mit 10.300 Todesfällen mehr als 28 Menschen pro Tag durch Suizid (D). Die Anzahl der Suizidversuche übersteigt nach Schätzungen der Deutschen Depressionshilfe diese Zahl noch um den Faktor 15–20. Forschung belegt bspw. nach Suizid eines Elternteils ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit betroffener Kinder, selbst später einen Suizid oder Suizidversuch zu begehen.
Der Kurzbeitrag will praktische Unterstützungsmöglichkeiten für „kleine und große“ Betroffene im Kontext dieser häufigen Einsatzsituation aufzeigen. Neben Ergebnissen des aktuellen Forschungsprojekts „Kurswechsel“ (gefördert vom Bayr. Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales) sollen konkrete Empfehlungen für den Akuteinsatz vorgestellt werden: Welche Interventionen eignen sich für das erste Zeitfenster? Was berichten befragte Betroffene über hilfreiche und wenig hilfreiche Interventionen durch Einsatzkräfte der Psychosozialen Akuthilfe? Was bedeutet das für Praxis und Ausbildung?
Referierende:
Simon Finkeldei, Diplom Psychologe, Psycholog. Psychotherapeut (VT), Lehrtherapeut, Supervisor. Nach seiner Tätigkeit im Rettungsdienst studierte Herr Finkeldei Psychologie an der Julius Maximilians Universität Würzburg. Seit 1999 ist er im Bereich Psychosoziale Notfallversorgung aktiv. 2007 war er am von Tita Kern entwickelten Konzept APSN und dessen Umsetzung im Pilotprojekt „KIDS – Kinder nach belastenden Ereignissen stützen“ beteiligt. Herr Finkeldei ist Psychotherapeutischer Leiter der KinderKrisenIntervention der AETAS Kinderstiftung (www.aetas-kinderstiftung.de) und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Trauma Hilfe Zentrums München e.V.. Als Dozent lehrt er zu den Schwerpunktthemen Krisenintervention/Notfallpsychologie, Suizidprävention, Traumatherapie.
Sebastian Hoppe ist Psychologe und bei der AETAS Kinderstiftung in München tätig. Seit Jahren forscht er zur Frage der Wirksamkeit von Krisenintervention und lehrt zu verschiedenen Themen der Psychosozialen Akuthilfe. Ehrenamtlich engagiert er sich im Münchner Kriseninterventionsteam KIT-München, das er zuvor fachlich leitete. So vereint er Erfahrungen aus Einsatzpraxis, Leitung, Forschung und Lehre in der Krisenintervention.
16.30–18.00 Uhr
Seminar
Zusammenspiel der Einsatzkräfte nach einem Einsatz in Jena
Verschiedene Zugänge der PSNV
Ein Polizist erschießt zuerst seine beiden Kinder und seine Frau, danach sich selbst … Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über die Geschehnisse und erfahren, was sich in Klettbach / Thüringen ereignete.
Im Einführungsvortrag wird erläutert, wie PSNV alarmiert wurde und wie der Einsatz begann. Außerdem erhalten die Teilnehmenden Informationen über die strukturellen Besonderheiten und über die entstandenen Schwierigkeiten vor Ort. Sie erfahren die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Helfenden und Institutionen.
Innerhalb des dazugehörigen Workshops können die Teilnehmenden gemeinsam einen Lageplan entwerfen und erarbeiten, wie dieser Einsatz für die PSNV abgelaufen sein könnte. Zudem soll ein Netzwerk entwickelt werden, welches die Teilnehmenden in ihre Teams übertragen können.
Als Abschluss werden die erarbeiteten Einsatzpläne in einer Einsatznachbesprechung erörtert, um die Erkenntnisse in die zukünftige Arbeit der PSNV-Teams einfließen zu lassen.
Ziel ist es, eine größere Lage wertfrei aufzuarbeiten und somit Handlungssicherheit für Einsätze in größeren Lagen zu erreichen.
Referierende:
Ulrich Matthias Spengler wurde 1965 in Halle/Saale geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach Schule und Lehre arbeitete er 9 Jahre als Schlosser, machte Abendschulabitur und wurde Schlossermeister. Bevor er Theologie studierte, arbeitete er ein Jahr im OP eines Krankenhauses. Im Anschluss an Studium und Vikariat, war er 20 Jahre als Gemeindepfarrer tätig, bis er in eine Projektpfarrstelle zur Evaluierung des berufsethischen Unterrichts für die Thüringer Polizei berufen wurde.
Seit 2023 ist er Landespfarrer für Polizei- und Notfallseelsorge der EKM im Freistaat Thüringen. Er ist langjähriger Notfallseelsorger und leitete von 2013 bis 2025 ein NFS-Team. Seit 2018 ist er Polizeiseelsorger und Psychosoziale Fachkraft im Kriseninterventionsteam der Thüringer Polizei. Außerdem unterrichtet polizeiliche Berufsethik und ist Dozent für PSNV‑B und ‑E-Kräfte.
Mandy Petri, 49 Jahre, verheiratet, 1 erw. Kind. Dipl. Päd. (Uni): Sozial‑, Jugend- und Erwachsenenweiterbildungspädagogik. Sozialarbeiterin im Bereich Eingliederungshilfe im LRA Weimarer Land, Projektarbeit – ALEKS; Notfallbegleiterin für Betroffene und Einsatzkräfte; Psychosoziale Fachkraft und Teamleiterin Notfallbegleitung Weimarer Land; Dozentin für die Ausbildung PSAH für Betroffene in Erfurt
16.30–18.00 Uhr
Seminar
Entwicklung Netzwerkorientierter Qualität im Psychosozialen Krisenmanagement Staatlicher Verwaltung („EQuiP“)
Projektleitung; Salomon-Hochschule Berlin: https://www.ash-berlin.eu/forschung/forschungsprojekte-a‑z/equip/
Im BMFTR-Forschungsprojekt EQuiP wird der Versuch unternommen, das Psychosoziale Krisenmanagement (PsychKM) unter der Perspektive des theoretischen Konzepts von Community Resilience weiterzuentwickeln. Ziel ist es Handlungslogiken und Formen der Zusammenarbeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure im Sinne dieses Konzeptes nachhaltig zu verbessern. Dies hat auch Auswirkungen auf den Prozess der Weiterentwicklung der PSNV.
Im Workshop wird das Forschungsprojekt und seine bisherigen Ergebnisse vorgestellt und mit den Teilnehmenden die Fragestellung der Weiterentwicklung der PSNV diskutiert.
Referierende:
Prof. Dr. Olaf Neumann ist Professor für methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Er ist Dipl. Sozialarbeiter, Theaterpädagoge, approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Gemeindepsychologe (community psychologist). Gemeinsam mit Vincenz Leuschner forscht er seit einigen Jahren in der PSNV. Im Projekt EQuiP trägt er die Verantwortung für eine zu entwickelnde Blended Learning Fortbildung für Mitarbeitende aus kommunalen Krisenstäben / anlassbezogenen Koordinierungsstellen. Er ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für gemeindepsychologische Forschung und Praxis (GGFP).
Prof. Dr. Vincenz Leuschner ist Professor für Kriminologie und Soziologie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht. Er ist Dipl. Sozialwissenschaftler und Dipl. Sozialarbeiter und promovierter Soziologe. Gemeinsam mit Olaf Neumann forscht er seit einigen Jahren zum Bereich des Psychosozialen Krisenmanagements (IFAF-Projekte PSNV-NET und PSNV-NET Plus). Daneben liegen die Schwerpunkte seiner Arbeit in der Forschung zu Formen schwerer Gewalt (Amok, Terrorismus), Jugendkriminalität, Kriminalprävention und der empirischen Polizeiforschung. Im Projekt EQuiP hat er die Gesamtprojektverantwortung inne.
Peter Waterstraat ist Diplom Sozialarbeiter und Master of Disaster Management and Risk Governance. Ausgebildet in Notfallseelsorge und Einsatznachsorge ist er Leiter der Koordinierungsstelle Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) im Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main. In dieser Funktion ist er auch Fachberater-PSNV im städtischen Krisenstab und beteiligt an der PSNV-Führungskräfteausbildung im Land Hessen. Seit 2016 ist Peter Waterstraat, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft PSNV der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM).
16.30–18.00 Uhr
Seminar
Die PSNV im hessischen Katastrophenschutz
Neue Strukturen und Vorgehensweisen
Die PSNV wird integrativer Bestandteil des Katastrophenschutzes in Hessen. Dazu werden landesweit einheitliche Standards geschaffen, die künftig die strukturelle Einbindung von PSNV-Einheiten, deren Ausbildung und Ausstattung, die Profile operativer Führungskräfte sowie Schnittstellen zur mittel- und langfristigen psychosozialen Versorgung definieren.
Flankiert werden diese Regelungen von neu entwickelten operativ-taktischen Konzepten, die die konkrete Umsetzung von PSNV‑B bei Großschadenslagen und Katastrophen in den Blick nehmen. Diese reichen vom Algorithmus für die Lagefeststellung PSNV (schnelle und standardisierte Erfassung u.a. von Betroffenen-Teilgruppen und deren psychischen Zuständen) bis zur Festlegung eines einheitlichen Sets spezieller Einsatzmaßnahmen für die Versorgung großer Betroffenenzahlen.
Dieser Workshop stellt die neuen Konzepte des Landes Hessen zur Diskussion und lädt zum Austausch ein sowie zum Ausprobieren neuer Führungsmittel für die PSNV im Katastrophenschutz.
Referierende:
Dr. Robert Steinhauser, Leiter der Landeszentralstelle Psychosoziale Notfallversorgung im Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz. Promovierter Psychologe mit Weiterbildung zum Notfallpsychologen (BDP) und beruflichen Stationen in kognitiver Neurowissenschaft und Psychiatrie. Daneben ehrenamtliche Einsatz- und operative Führungskraft in der PSNV der Landeshauptstadt Wiesbaden.
Doppelworkshop
14.30–18.00 Uhr
Übung
Der Seele Nahrung geben
„Und dann muss man noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“
(Astrid Lindgren) – Meditation und Kontemplation im Alltag
Einführung in unterschiedliche, alltagstaugliche Meditationspraktiken. Kennenlernen des Herzensgebetes als kontemplative Übung. Praktische Übungen für die Anwendung „zwischendurch“.
Referierende:
Sr. Anke Urban, Diakonin, Meditations- und Eutonieleiterin, engagiert sich ehrenamtlich in der Sterbebegleitung
Diakonin Anke Urban-Dornhoff, Seelsorgerin
19.00 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst
mit:
Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Weihbischof für das Bistum Erfurt
Grußworte:
Oberkirchenrat Andreas Jensen, Referat Seelsorge, Gemeindeformen, Gottesdienst im Kirchenamt der EKD
Vertreter:in der Deutschen Bischofskonferenz
Staatssekretär Andreas Bausewein, Thüringer Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung
Christian Zöller, Vorstand Versicherer im Raum der Kirchen (VRK)